8. September 2025 · Besondere Veranstaltung

„Auf eine Cola mit … Zübeyde Polat (DIE LINKE)“

Wir im Jugendzentrum die9 haben im Vorfeld anonyme Fragen und Impulse unserer Besuchenden gesammelt, die dann am 1. September der Kandidatin Zübeyde Polat (DIE LINKE) gestellt wurden. Dieser Beitrag dient als Nachbereitung und Transparenz: Auch Jugendliche, die ihre Frage eingereicht, aber am Termin nicht teilnehmen konnten, können hier nachlesen, was besprochen wurde.

Jugendliche fragen – die Kandidatin antwortet

Im Rahmen unserer U16-Wahl (01.–05.09.2025) wollten wir jungen Menschen die Möglichkeit geben, direkte Fragen an eine Bürgermeisterkandidatin zu stellen — niedrigschwellig, auf Augenhöhe und ohne vorbereitete Phrasen. Zübeyde Polat (DIE LINKE) war am 01.09. im Jugendzentrum die9 zu Gast. Gemeinsam mit „Demokratie leben!“ Herford wurden im Sommer 2025 Gespräche zwischen Jugendlichen und Bürgermeisterkandidat*innen organisiert. Ziel war es, jungen Menschen vor der Kommunalwahl die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen direkt zu stellen. In jedem Jugendzentrum in Herford kamen dafür 1–2 Kandidat*innen vorbei. Die Koordination übernahm die Projektstelle „Demokratie leben!“, die konkrete Gestaltung der Termine lag bei den Einrichtungen selbst.

Persönliche Motivation und politische Haltung

Frage: „Warum möchtest du Bürgermeisterin für Herford werden?“
Polat erklärte, dass sie die bestehenden Strukturen in Herford aufbrechen und stärker am Gemeinwohl orientiert gestalten möchte. Stadtplanung solle nicht von reinen Wirtschaftsinteressen getrieben sein, sondern die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund stellen.

Frage: „Warum bist du bei den Linken?“
Sie begründete ihre Parteizugehörigkeit damit, dass DIE LINKE die einzige Partei sei, die konsequent antimilitaristisch und gemeinwohlorientiert auftrete. Sie wolle Politik machen, die für Menschen da ist, nicht für Unternehmen, und dabei besonders soziale Gerechtigkeit in den Blick nimmt.

Frage: „Was macht man als Bürgermeister*in eigentlich?“
Mit einem Schmunzeln sagte sie: „Das weiß ich ja jetzt auch noch nicht *lacht*“ Im Kern sei es die Aufgabe, die Stadtverwaltung zu leiten, Anträge zu bearbeiten und in Sitzungen sowie Abstimmungen dafür zu sorgen, dass die Interessen der Bevölkerung nicht aus dem Blick geraten.

Jugendliche und soziale Teilhabe

Frage: „Wie setzt du dich für benachteiligte Jugendliche ein?“
Polat legte den Schwerpunkt auf junge Menschen mit Migrationsgeschichte, insbesondere junge Männer, die beim Übergang in Ausbildung oder Arbeit oft benachteiligt sind. Sie wolle diesen Jugendlichen eine stärkere Stimme geben und sich für bessere Chancen einsetzen.
→ Im Wahlprogramm der LINKEN Herford wird dazu der Ausbau mobiler Jugendarbeit, die Förderung offener Treffpunkte („Dritte Orte“) und ein Jugendbeirat mit echter Mitbestimmung gefordert.

Frage: „Wie könnt ihr als Partei euch im Stadtrat dafür einsetzen, unser Angebot für queere Jugendliche in Herford langfristig zu sichern und weiter auszubauen?“
Ihre Antwort: durch Interessenvertretung in den kommunalen Gremien und indem die Bedarfe von queeren Jugendlichen dort klar platziert werden. Sie schlug vor, den Kontakt zwischen der Jugendarbeit im Jugendzentrum die9 und der LINKEN auch über die Veranstaltung hinaus fortzusetzen.
→ Im Programm heißt es, dass sichere Räume und Schutzangebote für queere Menschen sowie Antidiskriminierungsarbeit gestärkt werden sollen.

Frage: „Kannst du Döner für 3,50 € machen? Wenn nicht, was könntest du dann tun?“
Die Kandidatin nahm die Frage mit Humor, verwies aber auch darauf, dass so ein Preis mit Blick auf gestiegene Lebensmittel- und Personalkosten schwer realisierbar sei. Wichtiger sei es, das Grundproblem anzuschauen: Viele junge Menschen hätten nach einem langen Schultag Schwierigkeiten, ein bezahlbares warmes Mittagessen zu bekommen. Sie könne sich dafür einsetzen, dass Schulen in Herford ein kostenloses Mittagessen für alle anbieten.
→ Das deckt sich mit einer Forderung aus dem Wahlprogramm: kostenlose Mittagessen in allen Kitas und Schulen.

Wohnen, Schutzräume und Stadtentwicklung

Frage: „Neues Frauenhaus in Herford?“
Polat erklärte, dass in diesem Jahr bereits ein neues Frauenhaus eröffnet worden sei – auch mit Unterstützung der LINKEN Herford. Dennoch seien die Bedarfe so hoch, dass Frauen teilweise bis zu 100 Kilometer entfernt untergebracht würden. Sie sprach sich klar dafür aus, weitere Kapazitäten in Herford zu schaffen und bestehende Schutzstrukturen auszubauen.
→ Das Wahlprogramm fordert zusätzlich mehr Frauenhausplätze und sichere Unterbringung für besonders gefährdete Gruppen.

Gespräch mit Impulskarten: steigende Mieten und Leerstände
Im offenen Teil des Gesprächs ging es um die Situation in der Herforder Innenstadt. Polat erläuterte, dass Eigentümer*innen von Leerständen diese oft bewusst nicht vermieten, da sich spekulativer Leerstand für sie wirtschaftlich lohnen könne. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurden Ideen entwickelt, wie leerstehende Gebäude besser genutzt werden könnten: für sozialen Wohnungsbau, für Jugendarbeit und Vereine oder auch für kulturelle und gemeinschaftliche Projekte.
→ Im Programm wird ein kommunales Leerstandskataster, Bußgelder gegen spekulativen Leerstand sowie mehr sozialer Wohnungsbau gefordert. Auch die Stärkung kleiner Kulturorte und „Dritter Orte“ für Begegnung findet sich dort wieder.

Politische Repräsentation und Sichtbarkeit

Frage: „Warum habt ihr als Partei eine Kandidatin aufgestellt, wenn ihr geringe Chancen auf das Amt habt?“
Polat erklärte, dass es vor allem um Sichtbarkeit gehe. Durch eine Kandidatur sei gewährleistet, dass DIE LINKE bei Podiumsdiskussionen und anderen Formaten vertreten ist. So könnten ihre Themen und Anliegen öffentlich eingebracht werden.

Atmosphäre im Gespräch

Das Gespräch war wertschätzend und auf Augenhöhe. Beiträge der Jugendlichen wurden ernst genommen; Rückfragen waren erwünscht. Neben Fachthemen kamen Lebensrealitäten zur Sprache – vom Lehrplan-Frust bis zur wahrgenommenen Zunahme von Wohnungslosigkeit in Herford. Für viele war es ein Aha-Moment, kommunale Stellschrauben (z. B. bei Schulverpflegung, Raumvergabe, Stadtplanung) konkreter zu verstehen.

Fazit

Das Bürgermeister*innen-Interview zeigte: Jugendliche haben klare, direkte Fragen – und Kandidat*innen, die bereit sind, diese ernst zu nehmen, schaffen damit einen wichtigen Raum für politische Bildung. Viele Aussagen Polats lassen sich auch im Wahlprogramm der LINKEN Herford wiederfinden, insbesondere zu den Themen Jugendbeteiligung, Schutzräume, kostenfreie Schulverpflegung und Leerstandsbekämpfung.

Was nehmen wir mit?

  • Partizipation wirkt, wenn Jugendliche ihre eigenen Fragen stellen — klar, direkt, relevant.
  • Programm-Praxis-Brücke: Viele Antworten der Kandidatin decken sich mit Passagen des LINKEN-Programms (insb. Schutzräume, Jugendbeteiligung, kostenfreie Schulverpflegung, Anti-Leerstand-Instrumente).
  • Offene Punkte: Für die langfristige Sicherung queerer Angebote, mehr Dritte Orte und Leerstandsaktivierung braucht es konkrete Ratsanträge, Finanzierungen und tragfähige Kooperationen.
  • Dranbleiben: Wir begrüßen das Angebot, den Austausch zu verstetigen — für verlässliche Jugendbeteiligung über den Wahltag hinaus.

Wir freuen uns, dass Jugendliche ihre Fragen einbringen konnten – und hoffen, dass der Austausch zwischen Politik und Jugend auch über die Wahl hinaus fortgesetzt wird.

Hinweis zur Neutralität:
Als offenes Angebot der Kinder- und Jugendarbeit fördern wir politische Bildung und bieten Gesprächsanlässe mit unterschiedlichen demokratischen Kandidat*innen/Parteien. Die Veröffentlichung dient der Information und Einordnung. Eine Wahlempfehlung ist damit nicht verbunden.

Von links: Jan S., Lea Marie A., Inez D., Zübeyde P., Helin P., Julia P., Kaja K., Ziva
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